Gesundheitsführer

3 gesund 2021 Corona-Selbsttests Stäbchen in die Nase – aber vorsichtig Von Tom Nebe, dpa Mit dem Verkaufsstart der ersten Schnelltests für Zuhause werden viele Küchentische zum Mini- labor. Groß etwas falsch machen kann man bei der Anwendung ei- gentlich nicht. Doch es gibt ein Nadelöhr. Die ersten Corona-Selbsttests zur Eigenanwendung kommen lang- sam in den Handel. Jeder Laie wird sich also fortan eigenständig auf das Coronavirus Sars-CoV-2 testen können – man muss nur ei- nen Test kaufen. Bislang haben 15 Tests die notwendige Sonder- zulassung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinproduk- te (BfArM). Die Behörde hat dafür in erster Linie nachgeprüft, ob auch Menschen ohne medizini- sche Fachkenntnisse die Tests korrekt anwenden können. Doch obwohl die beiliegenden Anleitungen das Vorgehen präzise beschreiben, es bleibt Raum für Fehler – vor allem bei der Entnah- me der Probe. Hier verlangen die meisten bisher sonderzugelasse- nen Tests einen Nasenabstrich. Ein HNO-Arzt und ein Kinderarzt erklären, worauf man dabei zu achten hat und was man keines- falls tun sollte. Wie fühlt sich ein Nasenab- strich an? Selbst wenn man ihn – je nach Test – nur im vorderen Nasenbereich durchführen und den Tupfer nur wenige Zentimeter ins Loch einführen soll, fühlt sich der Abstrich unangenehm an. Es kann brennen und kribbeln. Nies- reize sind möglich, die Augen trä- nen. Was ist beim Umgang mit dem Tupfer zu beachten? Er sollte ganz langsam und gerade in die Nase eingeführt werden, rät der HNO-Arzt Bernhard Junge-Hül- sing aus Starnberg – und zwar flach in Richtung des Gehörgang- bodens. „Keinesfalls am Nasenrü- cken in Richtung Stirn schieben“, warnt der Mediziner. Und wenn der Tupfer nicht weit genug hineingeht? Je nach Test und dessen Anleitung soll der Tupfer unterschiedlich tief in die Nase hinein. Doch wenn man ei- nen Widerstand spürt oder es schmerzt, sollte man nicht weiter drücken und stattdessen lieber das andere Nasenloch ausprobie- ren, rät Junge-Hülsing. Viele Menschen hätten eine Bie- gung in der Nasenscheidewand. „Wenn es auf der einen Seite ver- schoben ist, geht es auf der ande- ren Seite in der Regel besser“, sagt der Experte. Gibt es noch weitere Tricks, die helfen? Wenn es gar nicht geht, könne man Nasenspray auspro- bieren, so der HNO-Arzt. Darin enthaltene Wirkstoffe wie Xylo- metazolin oder Oxymetazolin sor- gen dafür, dass sich die Gefäße in der Nase zusammenziehen. So entsteht mehr Platz für den Tup- fer. Wichtig sei aber, sagt Junge- Hülsing, dass man nach dem Sprühen einige Zeit abwartet, ehe man sich testet – ruhig eine Stunde. „Man will ja kein Nasen- spray abstreichen, sondern Na- senschleim“, begründet der Ex- perte. Wer sich kurz nach dem Na- senspray-Einsatz testet, erhält womöglich ein verfälschtes Er- gebnis. Was ist bei Kindern zu beach- ten? Gerade für die Kleinen kann der Nasenabstrich unangenehm sein. „Selbst wir in der Praxis ha- ben dabei manchmal Probleme und für Eltern wird das in vielen Fällen sehr schwierig und manch- mal gar nicht möglich sein, weil die Gegenwehr zu groß ist“, er- klärt der Berliner Kinderarzt Ja- kob Maske. Das erhöhe auch die mögliche Fehlerquote beim Ab- strich und damit auch beim Test- ergebnis. Wichtig ist aus seiner Sicht: Wenn das Kind sich sehr wehrt, sollte man von dem Ab- strich absehen. „Wir machen den Abstrich manchmal im Liegen, weil es für die Kinder so angeneh- mer ist“, sagt Maske. Neben der richtigen Technik ist bei Kindernasen besondere Vor- sicht beim Einführen des Tupfers geboten. „Man kann, gerade bei Infekten, wo die Schleimhaut so- wieso so empfindlich ist, schnell Nasenbluten auslösen. Das ist nicht schlimm in der Regel, ver- setzt Eltern aber oft in Panik“, sagt der Kinderarzt, der das Tes- ten von Kindern zu Hause gene- rell kritisch sieht. Man sollte ein- fühlsam und geduldig sein, emp- fiehlt Junge-Hülsing. Vielleicht hilft es, dem Nachwuchs den Tup- fer zu überlassen. „Kinder ma- chen den Abstrich durchaus auch selber“, sagt der Experte. Da müs- se man aber schauen, ob sie es korrekt machen. Was ist außer dem Abstrich noch heikel? Eigentlich gibt es bei den Selbsttests sonst keine großen Stolperfallen. Folgt man der Anleitung Schritt für Schritt, sollte es keine Probleme geben. Saubere Hände und eine saubere Oberfläche für das Testmaterial sind wichtig, um die Proben nicht zu kontaminieren. Ansonsten lauert großes Fehlver- haltenspotenzial nur noch im An- schluss, sobald die Testkassette das Ergebnis anzeigt. Denn ein negatives Testergebnis ist kein Freibrief. Es ist eine Momentauf- nahme und darüber hinaus keine hundertprozentige Garantie dafür, dass man wirklich keine Sars-CoV- 2-Viren in sich trägt. Das heißt: Ein negatives Tester- gebnis kann etwa vor einem Be- such der Großeltern oder bei Freunden zusätzliche Sicherheit geben. Dennoch sollte man die geltenden Hygieneregeln wie Ab- stand, Händewaschen, Lüften und Maske-Tragen weiterhin ein- halten. Ist der Selbsttest positiv, gilt oh- nehin: Sofort isolieren und Ge- sundheitsamt oder Hausarzt an- rufen. Dann wird ein PCR-Test ge- macht, um das Selbsttest-Ergeb- nis im Labor zu bestätigen. Auch wenn der Tupfer nur im vorderen Nasenbereich bewegt werden soll, fühlt sich der Abstrich nicht gerade angenehm an. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

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